15. Berliner Lymphologisches Symposium
Unter dem Leitmotiv „Die Lymphologie: vielfältig und nicht immer eindeutig – Ursachen, Diagnostik und individuelle Therapie“ stand insbesondere die interdisziplinäre Betrachtung lymphologischer Krankheitsbilder sowie relevanter Begleiterkrankungen im Fokus. Dabei wurden sowohl pathophysiologische Grundlagen als auch klinische und therapeutische Herausforderungen praxisnah diskutiert. Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Veranstaltung, um ihr Wissen zu vertiefen, neue Impulse für den Praxisalltag zu gewinnen und sich interprofessionell auszutauschen.
Ergänzt wurden die Fachvorträge durch praxisnahe Workshops zu Themen wie myofasziale Therapieoptionen, die Interpretation lymphszintigraphischer Befunde und das Kompressionslabor, in denen diagnostische und therapeutische Verfahren vertieft und kritisch eingeordnet wurden.
I. Aktuelles aus Forschung und Praxis
Den Auftakt der Fachvorträge leitete Prof. Dr. rer. nat. Dieter Blottner mit einem Beitrag zur (Un-)Dichte der Lymphgefäße ein. Studien zeigten, dass Lymph- und Blutgefäße neben den bekannten drei Schichten eine zusätzliche Struktur besäßen: die endotheliale Glycocalyx. Diese beeinflusse den Flüssigkeitsstrom und fungiere als molekulares Sieb der Gefäßpermeabilität.
Im lymphologischen Journal Club griff PD Dr. Max Liebl mehrere Themen auf: Neben einem Aufruf zur Teilnahme an einer Studie zum Vergleich von Druckmessgeräten im Kompressionslabor beleuchtete er Zusammenhänge zwischen Lymphe und Tätowierungen sowie mögliche medikamentöse Therapieansätze beim Lymphödem, insbesondere bei adipositasassoziierten Formen. Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Fischer stellte aktuelle Entwicklungen in der ultraschallgestützten Lymphknotendiagnostik vor. Hochauflösender Ultraschall ermöglicht inzwischen nicht nur eine präzise Beurteilung peripherer Lymphknoten, sondern auch die Erstellung dreidimensionaler Modelle.
An diese diagnostischen Fortschritte knüpfte Martin Zimmermann mit Einblicken in die Grundlagenforschung zur Entwicklung des Lymphödems an. Hierzu untersuchte Zimmermann bei Muskellappenplastiken perforatorbasierte Monitorinseln, wodurch erstmals der Übergang vom Tier- zum Humanmodell gelang.
Mit Blick auf konservative Therapieoptionen sensibilisierte anschließend Prof. Dr. em. Jürgen Freiwald M.A. für den Einsatz von Faszienrollen. Dabei könnten Druckbelastungen entstehen, die ein Vielfaches der klassischer Kompressionsdrücke erreichen – Freiwald mahnt insbesondere bei einer Anwendung entgegen der Lymphflussrichtung zur Vorsicht. Für eine verbesserte Früherkennung von Brustlymphödemen nach Brustkrebs stellte Stefanie Oltmanns die Lymph-Check-Studie vor, in deren Rahmen ein Patientinnenfragebogen übersetzt und validiert wurde. Ziel sei die Integration in den klinischen Alltag.
II. Die neue AWMF-S3-Leitlinie Lymphödem
PD Reißhauer erläuterte die umfassende Überarbeitung der bisherigen S2-Leitlinie: Nun sei die neu erarbeitete AWMF-S3-Leitlinie Lymphödem nicht nur evidenzbasiert, auch Neuerungen wie die Patientenleitlinie seien ergänzt worden. Dr. med. Anya Miller hob die Bedeutung der Hautpflege hervor, da die Barrierefunktion bei Patientinnen und Patienten mit Lymphödem häufig eingeschränkt sei. Physiotherapeutin Eva-Maria Streicher präsentierte Ergebnisse der Arbeitsgruppe zur Prävention eines Lymphödems, wobei Bewegung eine zentrale Rolle spiele und individuell angepasst werden sollte.
Susanne Helmbrecht, Vorsitzende des Lymphselbsthilfe e.V., war maßgeblich an der Patientenleitlinie beteiligt. Diese wurde von Betroffenen für Betroffene entwickelt und soll das Verständnis der chronischen Erkrankung sowie die Aufklärung über jene standardisieren.
Prof. Dr. med. Gunther Felmerer betonte, dass aufgrund individueller Krankheitsverläufe bei Lymphödem Betroffenen eine differenzierte Indikationsstellung bei den Therapiemöglichkeiten erforderlich sei: Mikrochirurgische Verfahren könnten bei ausgewählten Patientinnen und Patienten sinnvoll sein, ersetzten jedoch nicht die konservative Basistherapie, sondern würde diese gezielt ergänzen. Daran anknüpfend erläuterte Dr. med. Axel Baumgartner, dass auch beim Lipödem die Liposuktion lediglich einen Baustein innerhalb eines multimodalen Behandlungskonzepts darstelle. Entscheidend für eine nachhaltige Verbesserung der Symptomatik und Lebensqualität sei das Zusammenspiel operativer Maßnahmen mit Kompression, Bewegungstherapie und Patientenedukation – im Sinne einer individuell abgestimmten Gesamttherapie.
III. Lymphödem und Begleiterkrankungen
Im abschließenden Themenblock stellte Dr. med. Katja S. Mühlberg die 3-Wiesen-Strategie zur Wunddifferenzialdiagnostik vor und betonte die Bedeutung einer ursachenorientierten Therapie. Differenzialdiagnostisch sollten auch pAVK oder Malignome bei Lymphödem-Patientinnen und -Patienten berücksichtigt werden, auch wenn diese erstmals nicht offensichtlich erscheinen.
PD Reißhauer wies darauf hin, dass Adipositas eine der häufigsten Ursachen des Dependency-Syndroms sei und erhebliche Auswirkungen auf Mobilität und Lebensqualität bei Betroffenen hätte. Eine interdisziplinäre Versorgung sei entscheidend, um die Therapie zu optimieren. Medizinisch adaptive Kompressionssysteme (MAK) könnten hierbei neue Möglichkeiten eröffnen, da sie das An- und Ausziehen erleichtern und das Selbstmanagement unterstützen.
Christine Hemmann-Moll ergänzte, dass Kompression nicht gleich Kompression sei: Materialien, Druckeigenschaften und Elastizität variierten und erforderten eine individuell angepasste Versorgung.
Zum Abschluss lud PD Reißhauer zum 16. Berliner Lymphsymposium am 4. und 5. Juni 2027 ein.
Julius Zorn GmbH
Juzo mit Hauptsitz im bayerischen Aichach wurde 1912 in Zeulenroda (Thüringen) gegründet und beschäftigt weltweit über 1.100 Mitarbeitenden. Mit der Schwesterfirma in den USA und den verschiedenen Tochterfirmen und Vertriebsorganisationen in Europa und Kanada bedient der Hersteller medizinischer Hilfsmittel einen internationalen Markt. Als Spezialist mit über 100 Jahren Erfahrung in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dafür produziert das Unternehmen innovative Produkte – größtenteils „Made in Germany“ – aus den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie wie Kompressionsversorgungen in Rund- und Flachstrick sowie Bandagen und Orthesen. Neben den Produkten der Fachhandels-Marke Juzo gibt es die Juzo Akademie mit Fortbildungen für den medizinischen Fachhandel, die Marke sportomedix mit hochfunktionellen Produkten für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler und die Marke EquiCrown mit medizinischen Kompressionsbandagen für Pferde. Mit Hightech, Handarbeit und Herzblut arbeiten die Mitarbeitenden bei Juzo an innovativen und individuellen Lösungen für mehr Lebensfreude in Bewegung. Weitere Infos unter juzo.de







